Die Frage ist: wie gelange ich am schnellsten zum Ziel? Das Ziel ist die Vollrechtsfähigkeit. Die Antwort:
über Studiengebühren. Die Regierung handelt gar nicht so unklug. Sie sucht ganz einfach den direkten Weg zur
Freiheit, um frei zu sein für den freien Markt.
Warum Studiengebühren?
Mitte Februar hat die Regierung ein Diskussionspapier über die Autonomie der Universitäten, die
sogenannte Vollrechtsfähigkeit, veröffentlicht. In diesem Diskussionspapier wird den Universitäten mehr
Autonomie in rechtlicher und budgetärer Hinsicht zugesprochen. Das bedeutet also, dass die Universitäten
aufgefordert werden, sich auf externe Weise, Finanzierungsmittel zu beschaffen und nicht mehr zur Gänze öffentlich
finanziert werden. Dieses Konzept hat sich nicht durchgesetzt und die geplante Vollrechtsfähigkeit ist zunächst
verschoben worden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das Ziel der Regierung wurde öffentlich artikuliert,
und nun galt es neue Wege zu finden, dieses zu erreichen.
Die Regierung schafft es nicht, genügend Druck auf die Universitäten auszuüben, sodass sich der universitäre Apparat von
sich heraus reformiert, und zwar so reformiert, dass Universitäten Leistungsinstitutionen werden, die wettbewerbsfähig sind.
Dafür braucht sie den Druck der Studierenden, denn StudentInnen die zahlen, können auch etwas fordern: sie können Leistung
fordern, sie können Effizienz fordern, sie können eine verkürzte Studiendauer und eine perfekte Aus-bildung fordern.
Doch ist es damit nicht aus mit der Bildung?
Was sollen die Studies fordern?
Behauptet man, so wie es die offizielle Stimme der ÖH tut, dass man doch nicht für etwas bezahlen kann, wofür man keine
Leistung erhält, das Preis-Leistungs-Verhältnis also nicht stimmt, so begibt man sich direkt in die Fänge der Regierung.
Als guter Ökonom weiß das die Regierung, und sie weiß auch, dass die Studiengebühren das beste Mittel sind, ein passendes
Preis-Leistungs-Verhältnis herzustellen.
Deshalb waere es besser, wenn wir sagten, dass uns nicht das Leistungsdenken so wichtig ist, daß wir nicht eine
inhaltsleere schnelle Ausbildung wünschen, sondern eine Bildung, die uns intellektuell/geistig bildet, die vitale
Bedürfnisse deckt, die uns lebendig macht und zu einer "Wiederentdeckung des Menschen durch den Menschen" (Finkielkraut z.n.
Thürmer-Rohr:1999 S. 68) führt. Wir sollten also eine Bildung fordern, die sich durch den Dialog mit den Angelegenheiten der
Menschen befasst, der es um Reflexion, Analyse, Interpretation und um das Verstehen geht. Das Studium soll ein Erprobungsraum
sein und kein Wirtschaftsraum. Als StudentIn soll man Zeit haben, sich gedanklich mit der Welt auseinanderzusetzen, über
Alternativen nachzudenken und diese zu leben.
Reaktionen der Studis und der Uni zu den Studiengebühren
Am 11. Oktober war bundesweiter Aktionstag, und in Innsbruck versammelten sich ca. 8.000 Menschen auf der Straße,
um gegen die "soziale Treffsicherheit" zu demonstrieren. Dieser Tag war ein großer Erfolg und man beschloss weitere
Maßnahmen zu setzen.
Die ÖH, die zwar am besagten Tag eine HörerInnenversammlung platzen ließ, organisierte folgende weitere Aktionen:
Am 23.10. einen Infoabend zu den Studiengebühren, am 8. November einen Runden Tisch mit Rektor Hans Moser, ÖH-Vorsitzender
Christoph Mayer, Univ. Prof. Gantner und Univ. Prof. Lukesch und am 20.11. einen Fackelzug gegen Studiengebühren.
Einige StudentInnen waren mit der Vorgehensweise der ÖH nicht einverstanden, sie fühlten sich nicht von dieser vertreten
und wollten massiver gegen das Vorgehen der Regierung protestieren. So wurde am 16.10. eine HörerInnenversammlung einberufen
und bei dieser ein Aktionskomitee gegen Bildungs- und Sozialabbau gewählt. Dieses Komitee organisierte einen wöchentlichen
Protestspaziergang (jeden Mi um 12 UhrUhr am Geiwi Vorplatz) und am 15.11. gab es am Franziskanerplatz die Möglichkeit, sich
öffentlich zu äußern. Ein "speakers corner" wurde errichtet und jeder konnte seinen Frust und Unmut loswerden.
Weiters richtete man die Homepage http://nofees.redefreiheit.net ein, wo nun auch
alle die Möglichkeit haben, e-mails an die Regierung zu schicken.
Von den STRV Powi wurde eine Resolution gegen Studiengebühren verfasst. Diese wurde am 31.10. von der Institutskonferenz
einstimmig angenommen und gilt als offizielle Meinung des Instituts zu den geplanten Studiengebühren. (siehe nebenstehende Seite)
Auch der Senat hat in der Sitzung vom 12.10. eine Resolution beschlossen, in der er sich gegen "eine weitere Totalreform der
Universitäten unter dem Motto 'Vollrechtsfähigkeit'" aussprach. (siehe übernächste Seite)